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Blog Serie: #1 Vereinbarkeit neu gedacht - Warum wir seit Jahrzehnten über Vereinbarkeit sprechen – und sie trotzdem nicht gelöst ist

  • Autorenbild: Dominique Knöpfli
    Dominique Knöpfli
  • 16. März
  • 3 Min. Lesezeit

Seit Jahrzehnten sprechen wir über Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

In politischen Debatten. In Unternehmensstrategien. In gesellschaftlichen Diskussionen.

In dieser Zeit wurden wichtige Schritte gemacht. Teilzeitmodelle wurden ausgebaut. Flexible Arbeitszeiten eingeführt. Homeoffice hat sich in vielen Branchen etabliert.

Und trotzdem bleibt Vereinbarkeit für viele Familien eine tägliche Herausforderung.

Viele Eltern kennen dieses Gefühl: Der Kalender ist organisiert, Betreuung geplant, Arbeit strukturiert – und dennoch entsteht immer wieder der Eindruck, dass etwas nicht ganz zusammenpasst.


Vielleicht liegt das Problem nicht darin, dass Familien sich zu wenig organisieren. Vielleicht liegt es daran, dass wir versuchen, Vereinbarkeit innerhalb eines Systems zu lösen, das ursprünglich für eine andere Realität gedacht war.


Wenn sich Lebensrealitäten schneller verändern als Systeme

Die Arbeitswelt vieler westlicher Gesellschaften basiert historisch auf einem relativ klaren Rollenmodell. Ein Elternteil arbeitet Vollzeit. Der andere organisiert einen grossen Teil der Care-Arbeit. Dieses Modell hat lange Zeit Strukturen geprägt: Arbeitszeiten. Karrierewege. Führungsmodelle. Heute sieht die Realität vieler Familien anders aus. In der Schweiz liegt die Erwerbsquote von Frauen bei rund 80 Prozent – eine der höchsten in Europa. Gleichzeitig arbeiten viele Mütter Teilzeit, während ein grosser Teil der Väter weiterhin Vollzeit tätig ist. Das zeigt: Familien haben ihre Lebensmodelle längst angepasst. Doch Arbeitsstrukturen, Karrierewege und gesellschaftliche Erwartungen entwickeln sich oft langsamer. Genau hier entsteht die Spannung, die viele Familien täglich erleben.


Vereinbarkeit als individuelle Organisationsleistung

Ein grosser Teil der heutigen Diskussion über Vereinbarkeit konzentriert sich auf individuelle Lösungen. Wie organisieren Eltern ihre Zeit? Wie koordinieren sie Betreuung und Arbeit?Wie strukturieren sie ihren Alltag? Diese Fragen sind wichtig. Doch sie greifen zu kurz.

Denn wenn Vereinbarkeit hauptsächlich über persönliche Organisation gelöst wird, entsteht ein strukturelles Ungleichgewicht: Familien tragen den grössten Teil der Anpassungsleistung. Sie passen Arbeitszeiten an. Reduzieren Pensen. Organisieren Betreuungsnetzwerke. Unternehmen und gesellschaftliche Systeme bleiben dagegen oft weitgehend unverändert. Das führt dazu, dass Vereinbarkeit zwar individuell funktioniert – aber selten strukturell stabil wird.


Die eigentliche Frage: Wie gestalten wir Arbeit?

Vielleicht liegt der entscheidende Perspektivwechsel deshalb nicht in der Frage, wie Familien Vereinbarkeit organisieren. Sondern in einer anderen Frage:


Wie gestalten wir Arbeit in einer Gesellschaft, in der Familie und Erwerbsarbeit gleichzeitig Realität sind?

Diese Frage betrifft nicht nur Eltern.

Sie betrifft:

  • Unternehmen, die langfristig engagierte Mitarbeitende brauchen

  • Gesellschaften, die Gleichstellung fördern wollen

  • Volkswirtschaften, die auf Fachkräfte angewiesen sind

Wenn wir Arbeit so gestalten, dass sie zu realen Lebensmodellen passt, entsteht Vereinbarkeit nicht mehr als Ausnahme – sondern als Normalität.


Die drei Systeme der Vereinbarkeit

Bei Mom2MomBusiness betrachten wir Vereinbarkeit deshalb nicht nur aus einer Perspektive.

Sie entsteht im Zusammenspiel von drei Systemen:

Familie – hier entsteht die reale Lebenssituation. Arbeitswelt – hier werden Erwartungen an Arbeit definiert. Gesellschaft – hier entstehen Rahmenbedingungen und Normen.

Wenn eines dieser Systeme sich verändert – die anderen jedoch nicht – entsteht Spannung.

Genau das erleben viele Familien heute.


Was echte Vereinbarkeit bedeutet

Echte Vereinbarkeit entsteht nicht durch eine einzelne Massnahme.

Sie entsteht durch einen Perspektivwechsel.

Arbeit wird nicht mehr ausschliesslich um Organisationen herum gestaltet – sondern auch um Lebensrealitäten.

Das bedeutet zum Beispiel:

  • Rollen stärker über Verantwortung statt über Präsenz zu definieren

  • Lebensphasen stärker zu berücksichtigen

  • Flexibilität nicht als Ausnahme, sondern als Bestandteil moderner Arbeit zu verstehen

Diese Veränderungen betreffen nicht nur Familien. Sie betreffen die Art, wie wir Arbeit grundsätzlich verstehen.

Echte Vereinbarkeit beginnt dort, wo Systeme Lebensrealitäten mitdenken – statt sie als Ausnahme zu behandeln.

Eine Einladung zum Weiterdenken

Diese Blogserie ist deshalb keine Sammlung von Tipps für besseres Zeitmanagement. Sie ist eine Einladung, Vereinbarkeit aus einer grösseren Perspektive zu betrachten. Familien bringen die Realität ein. Unternehmen gestalten Arbeitsmodelle. Gesellschaft schafft Rahmenbedingungen.

Wenn diese drei Perspektiven zusammenkommen, entstehen neue Möglichkeiten.

Bei Mom2MomBusiness arbeiten wir genau an diesen Verbindungsstellen – Familien, Arbeitgebenden und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Denn echte Vereinbarkeit entsteht nicht durch individuelle Anpassung allein. Sie entsteht dort, wo wir beginnen, Systeme gemeinsam weiterzuentwickeln.


 
 
 

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