Blog Serie: #6 Vereinbarkeit neu gedacht - Arbeiten ohne Prozente und Stunden – warum Arbeit vielleicht eine neue Logik braucht
- Dominique Knöpfli

- 20. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Seit Jahrzehnten organisieren wir Arbeit über Zeit.
50 Prozent. 80 Prozent. 100 Prozent.
Arbeitsverträge definieren meist zuerst das Pensum – und danach die Rolle.
Doch in vielen modernen Arbeitskontexten entsteht Leistung nicht primär durch Zeit.
Sie entsteht durch: Verantwortung. Kompetenz. Zusammenarbeit. Wirkung.
Die Logik des Pensums
Das Prozentmodell hat viele Vorteile. Es schafft Klarheit. Es ermöglicht Planung. Es ist eng mit unserem Sozialversicherungssystem verbunden. Doch gleichzeitig prägt es auch, wie wir Arbeit verstehen. Wenn Arbeit über Zeit definiert wird, entsteht schnell eine implizite Gleichung:
Mehr Zeit = mehr Leistung.
Diese Logik passt jedoch immer weniger zu einer Arbeitswelt, in der Wissen, Kreativität und Verantwortung zentrale Faktoren sind.
Eine andere Perspektive: Leistungsauftrag
Was wäre, wenn wir Arbeit stärker über Verantwortung definieren würden – und weniger über Zeit?
Ein solches Modell orientiert sich nicht primär an Stunden oder Prozentsätzen, sondern an einem Leistungsauftrag. Der Fokus liegt dann auf Fragen wie:
Welche Verantwortung trägt diese Rolle? Welche Ergebnisse sollen erreicht werden? Welche Aufgaben gehören zum Auftrag?
Wie, wann und wo dieser Auftrag erfüllt wird, liegt weitgehend in der Verantwortung der Mitarbeitenden.
Mehr Eigenverantwortung – mehr Flexibilität
Ein auf Leistungsaufträgen basierendes Modell verändert mehrere Dinge gleichzeitig.
Erstens stärkt es Eigenverantwortung.
Mitarbeitende gestalten ihre Arbeit innerhalb klar definierter Ziele selbst.
Zweitens erhöht es Flexibilität.
Arbeitszeit und Arbeitsort verlieren an Bedeutung, solange Ergebnisse erreicht werden.
Drittens verschiebt sich der Fokus von Kontrolle hin zu Vertrauen.
Gerade für Eltern – und zunehmend auch für andere Lebensphasen – eröffnet diese Perspektive neue Möglichkeiten. Nicht, weil sie weniger leisten. Sondern weil Leistung anders organisiert wird.
Was bedeutet das für das Schweizer System?
Die Schweiz ist stark von klaren Arbeitszeitstrukturen geprägt.
Arbeitsverträge, Sozialversicherungen und Lohnmodelle orientieren sich stark an Prozenten und Arbeitsstunden.
Ein vollständiger Wechsel zu Leistungsaufträgen würde deshalb Zeit brauchen.
Doch erste Schritte sind möglich.
Organisationen können beginnen:
Rollen stärker über Verantwortung zu definieren. Präsenz weniger stark zu gewichten. Pilotmodelle für ergebnisorientiertes Arbeiten zu testen. Veränderung beginnt selten mit einem grossen Systemwechsel. Sie beginnt mit einer neuen Perspektive auf Arbeit.
Echte Vereinbarkeit bedeutet, Arbeit nicht primär über Anwesenheit zu definieren – sondern über Verantwortung, Ergebnis und Wirkung.
Bei Mom2MomBusiness beschäftigen wir uns genau mit solchen Fragen.
Nicht nur, wie Arbeit organisiert wird – sondern wie sie künftig gestaltet werden kann, damit sie zu realen Lebensmodellen passt.
Wir bringen Perspektiven aus Familien, Unternehmen und Gesellschaft zusammen, weil nachhaltige Lösungen selten in einem System allein entstehen.
Denn vielleicht beginnt echte Vereinbarkeit genau dort, wo wir den Mut haben, Arbeit neu zu denken.

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