Blog Serie: #8 Vereinbarkeit neu gedacht - Ist die jüngere Generation wirklich weniger motiviert – oder zeigt sich hier, dass unser Arbeitsmodell nicht mehr passt?
- Dominique Knöpfli

- 10. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Wer heute mit Unternehmer:innen, Führungskräften oder HR-Verantwortlichen spricht, hört häufig ähnliche Beobachtungen. Junge Mitarbeitende seien fordernder geworden. Loyalität nehme ab. Im Bewerbungsgespräch entscheide längst nicht mehr nur das Unternehmen – sondern auch die Bewerbenden. Viele Unternehmen erleben diese Realität tatsächlich. Doch vielleicht zeigt sich hier nicht nur ein Motivationsproblem. Vielleicht zeigt sich ein Bruch zwischen einem alten Arbeitsmodell und neuen Lebensrealitäten.
Was Unternehmen gerade erleben
Der Druck auf Unternehmen ist real. In der Schweiz berichteten im Jahr 2025 rund 36 % der Unternehmen, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeitender zu haben.(Quelle: Staatssekretariat für Wirtschaft SECO) Gleichzeitig steigen Erwartungen von Bewerbenden an Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und Flexibilität.
Für viele Organisationen entsteht dadurch ein Spannungsfeld:Sie suchen engagierte Mitarbeitende – erleben aber gleichzeitig weniger Bindung und schnellere Wechsel.
Was Studien über junge Generationen zeigen
Das Bild der „unmotivierten Generation“ wird durch Studien relativiert. Die Deloitte Gen Z & Millennial Survey zeigt, dass junge Mitarbeitende sehr wohl arbeiten wollen – jedoch unter bestimmten Bedingungen: Fast 90 % der Befragten sagen, dass ein Gefühl von Sinn in ihrer Arbeit entscheidend für ihre Motivation ist. (Quelle: Deloitte Global Gen Z & Millennial Survey)
Gleichzeitig zeigt der Randstad Workmonitor, dass für viele Beschäftigte heute Work-Life-Balance wichtiger ist als Gehalt. (83 % nennen Balance als entscheidenden Faktor.) (Quelle: Randstad Workmonitor)
Auch Schweizer Daten bestätigen diesen Trend: Eine PwC-Studie zeigt, dass 38 % der Arbeitnehmenden einen Jobwechsel in den nächsten zwölf Monaten in Betracht ziehen – häufig wegen fehlender Entwicklungsmöglichkeiten oder mangelnder Passung zum Leben.(Quelle: PwC Workforce Hopes & Fears Survey)
Diese Zahlen zeigen: Die Erwartungen verändern sich – nicht unbedingt die Bereitschaft zu arbeiten.
Warum die Stimmen gerade jetzt lauter werden
Mehrere Entwicklungen treffen gleichzeitig aufeinander: Mehr Frauen arbeiten heute als früher. Viele Väter möchten stärker am Familienleben teilnehmen. Jüngere Generationen hinterfragen Arbeitsmodelle stärker. Das führt dazu, dass Vereinbarkeit nicht mehr nur ein individuelles Thema ist. Sie wird zu einer strukturellen Frage unserer Arbeitswelt.
Das eigentliche Problem
Viele Organisationen arbeiten noch immer mit Strukturen, die auf ein anderes Lebensmodell ausgerichtet sind. Ein Modell, in dem Arbeit klar vom Privatleben getrennt war und Care-Arbeit überwiegend privat organisiert wurde. Heute sieht die Realität anders aus. Familienmodelle sind vielfältiger geworden. Lebensläufe verlaufen weniger linear. Menschen möchten Arbeit und Leben anders verbinden. Wenn diese Realität auf alte Strukturen trifft, entsteht Spannung.
Warum wir jetzt handeln müssen
Unternehmen brauchen engagierte Mitarbeitende. Und viele Menschen möchten arbeiten und Verantwortung übernehmen. Doch damit das möglich bleibt, muss Arbeit so gestaltet sein, dass sie langfristig tragfähig ist.
Das bedeutet: Arbeit stärker über Verantwortung und Wirkung zu definieren. Entwicklungsmöglichkeiten ernst zu nehmen. Vereinbarkeit nicht als Sonderlösung zu betrachten, sondern als Teil moderner Arbeitsstrukturen.
Die eigentliche Chance
Vielleicht zwingt uns die junge Generation gerade dazu, Fragen zu stellen, die wir längst hätten stellen müssen. Wie gestalten wir Arbeit so, dass Leistung und Leben zusammenpassen? Wie schaffen wir Verbindlichkeit ohne starre Modelle? Und wie ermöglichen wir Menschen, ihr Potenzial langfristig einzubringen?
Echte Vereinbarkeit bedeutet: nicht neue Generationen an alte Systeme anzupassen, sondern Arbeit so weiterzuentwickeln, dass Leistung, Leben und Verantwortung zusammenpassen.
Bei Mom2MomBusiness setzen wir genau hier an.
Wir betrachten Vereinbarkeit nicht als Privatthema von Familien und nicht als Randthema von HR. Sondern als gemeinsame Gestaltungsaufgabe von Familien, Arbeitgebenden und Gesellschaft. Denn wenn wir Arbeit so gestalten, dass Menschen ihr Potenzial nachhaltig einbringen können, profitieren Unternehmen, Familien und unsere Gesellschaft gleichermassen. Und vielleicht ist genau jetzt der Moment, diesen Schritt zu gehen.

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