top of page

Blog Serie: #11 Vereinbarkeit neu gedacht - Wir reden über Vereinbarkeit – aber was tragen wir eigentlich selber dazu bei?

  • Autorenbild: Dominique Knöpfli
    Dominique Knöpfli
  • 1. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Vor vier Jahren habe ich etwas ausprobiert. Mein Sohn war in der Kita und wie viele Eltern standen auch wie wir immer wieder vor der gleichen Frage: Wie organisieren wir Betreuung wenn mein Kind in den Kindergarten geht? So habe ich rund 60 Eltern aus der Kita angeschrieben und gefragt, ob wir uns gegenseitig unterstützen wollen. Gemeinsamer Mittagstisch – gegenseitige Nachmittagsbetreuung – spontane Unterstützung im Alltag

Keine grosse Organisation. Keine komplizierte Struktur. Einfach Eltern, die sich gegenseitig helfen. Von 60 Eltern hat sich genau eine Mutter gemeldet.


Eine Geschichte, die sich wiederholt

Vor kurzem sass ich bei einem Lunch-Meeting mit einem Unternehmer. Wir sprachen über Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er erzählte mir eine Geschichte seiner Frau, welche vor 25 Jahren stattgefunden hat. Die gleiche Idee: Eltern in der Umgebung vernetzen, um sich gegenseitig bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Schulwegbegleitung - Mittagstisch - Nachmittagbetreuung. Das Ergebnis war erstaunlich ähnlich. Es hat sich niemand gemeldet. Diese beiden Geschichten liegen ein Vierteljahrhundert auseinander – und doch erzählen sie fast das Gleiche.


Eine Gesellschaft im Spagat

Wenn man heute mit Eltern spricht, hört man immer wieder dieselben Sätze: „Es ist schwierig, alles unter einen Hut zu bringen.“ „Die Organisation des Alltags ist eine Herausforderung.“ „Wir bräuchten mehr Unterstützung.“ Der Wunsch nach Vereinbarkeit ist gross. Doch gleichzeitig organisieren die meisten Familien ihren Alltag alleine. Jede Familie baut ihr eigenes System. Jede versucht, ihren Spagat selbst zu bewältigen. Dabei leben wir in einer Gesellschaft, die stark von Zusammenarbeit geprägt ist. Die Schweiz und Europa sind wirtschaftlich erfolgreich, weil Menschen zusammenarbeiten, Verantwortung teilen und Strukturen aufbauen. Und doch scheint genau dieses Prinzip im privaten Alltag oft zu fehlen.


Der Preis der Selbstorganisation

Vielleicht haben wir uns daran gewöhnt zu glauben, dass Vereinbarkeit vor allem eine individuelle Aufgabe ist. Man muss sich einfach besser organisieren. Effizienter planen. Noch etwas flexibler werden. Doch dieses Modell hat Grenzen. Denn selbst perfekt organisierte Familien können strukturelle Spannungen nicht allein lösen. Gleichzeitig verlieren wir etwas, das früher selbstverständlicher war: Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung im Alltag.


Mut bedeutet auch, Kontrolle abzugeben

Wenn wir über Vereinbarkeit sprechen, sprechen wir oft über Strukturen:

Flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle, Betreuungsangebote. All das ist wichtig.

Doch vielleicht braucht es noch etwas anderes.

Mut.

Mut, Dinge anders zu organisieren. Mut, Verantwortung zu teilen. Mut, ein Stück Kontrolle abzugeben. Gemeinschaft funktioniert nur, wenn Vertrauen entsteht.

Wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu teilen – und nicht alles allein kontrollieren wollen. Das gilt für Familien. Für Unternehmen. Und für unsere Gesellschaft.


Veränderung braucht mehr als Zustimmung

In Gesprächen erlebe ich oft, dass viele Menschen ähnliche Gedanken teilen.

Wenn man über Vereinbarkeit spricht, nicken viele. Die meisten sind sich einig: So wie heute funktioniert es nicht. Doch zwischen Zustimmung und Veränderung liegt ein grosser Unterschied. Veränderung bedeutet: Gewohnheiten zu hinterfragen. Komfortzonen zu verlassen. Neue Formen von Zusammenarbeit zu wagen. Das ist nicht immer einfach. Fakt ist: Ohne diesen Schritt bleibt vieles beim Alten.


Vereinbarkeit als gemeinsame Verantwortung

Echte Vereinbarkeit entsteht nicht nur durch politische Programme oder neue Arbeitsmodelle. Sie entsteht auch dort, wo Menschen beginnen, Verantwortung zu teilen.

Wo Gemeinschaft wieder stärker gelebt wird. Wo Vertrauen entsteht. Wo Unterstützung auch angenommen wird. Vielleicht liegt genau hier eine der grössten Chancen unserer Zeit.

Vielleicht entsteht echte Vereinbarkeit nicht nur durch neue Strukturen – sondern durch den Mut, Gemeinschaft zu leben.

Bei Mom2MomBusiness sprechen wir deshalb nicht nur über Coaching angebote und Arbeitsmodelle. Wir sprechen auch über Haltung. Denn Vereinbarkeit entsteht nicht nur in Unternehmen oder politischen Programmen. Sie entsteht im Alltag.

Veränderung beginnt genau dort – wo wir selber beginnen zu handeln und zu leben.

 
 
 

Kommentare


bottom of page